Erasmus für Alle: Der Schlüssel zum Europäischen Bildungsraum

Bildungspolitik ist zurück auf der europäischen Politbühne! Der heutige Bildungsgipfel, an dem 18 europäische Bildungsminister und mehr als 500 Stakeholder und Experten teilnehmen, ist, nur wenige Woche nach dem Sozialgipfel von Göteborg, das zweite hochrangige Treffen innerhalb weniger Woche, das den europäischen Beitrag zur Bildungsreform in den Mitgliedstaaten thematisiert. Auch wenn die EU keine unmittelbare Kompetenz in Bildungsfragen hat, ist das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ doch eines der erfolgreichsten und vielleicht das populärste EU-Programm überhaupt. In den letzten 25 Jahren konnten 240.000 Österreicherinnen und Österreich – Schülerinnen und Schüler, Lehrlinge, Studierende, Lehrende, Erwachsenenbildner – mit Erasmus mobil werden und in anderen europäischen Ländern Erfahrungen sammeln und Ausbildungen machen. Es ist erfreulich, dass sich zuletzt die Stimmen mehrten, von den Präsidenten Juncker und Tusk angefangen, die einen deutlichen Ausbau von Erasmus+ in der nächsten Förderperiode fördern und der Bildung eine neue politische Priorität einräumten.

Fast noch wichtiger als die quantitative Ausweitung ist die qualitative Weiterentwicklung. Ich habe im vergangenen Sommer 16 europäische Mobilitätsagenturen und die Europäische Kommission zu einem Workshop nach Alpbach eingeladen, in wir erstmals in dieser Zusammensetzung gemeinsam darüber nachgedacht haben, wie das Programm ab 2021 aussehen sollte. Herausgekommen sind unsere „ 3 i“ – das Programm muss inklusiver und internationaler werden und einen höheren impact auf das nationale Bildungssystem haben. Was heißt das? Wir wollen, dass noch mehr Menschen und Institutionen entlang der gesamten Bildungskette am Programm teilnehmen können: nicht nur Studierende, sondern noch mehr Lehrlinge und Schulen, Erwachsenenbildungseinrichtungen und Kindergärten, sollen am Programm teilnehmen. Dafür müssen wir es aber einfacher und weniger bürokratisch machen, „simplification“ (in Brüsseler Terminologie) ist das Gebot der Stunde. Das aktuelle Programm trug im ersten Entwurf der Kommission den Titel „Erasmus for all“ – es ist Zeit, diesen Anspruch auch einzulösen!

Erasmus+ noch internationaler zu machen, bedeutet, auch bildungsbezogene Auslandsaufenthalte in außereuropäischen Ländern zu fördern. Das gibt es jetzt bereits in geringem Umfang für Studierende, eine Ausweitung auf die anderen Bildungsbereiche würde jedenfalls neue Chancen eröffnen. Erasmus+ ist aber mehr als ein Mobilitätsprogramm – es ist im seinem Kern ein Beitrag zur nachhaltigen Reform der nationalen Bildungssysteme, indem es den politischen Dialog über Bildung unterstützt und den Vergleich sowie das gegenseitige Lernen der Mitgliedstaate untereinander fördert. Das Programm wirkt aber auch auf der individuellen Ebene: Erasmus-Studierende sind nachweislich am Arbeitsmarkt erfolgreicher und punkten mit interkultureller Kompetenz, einem internationalen Netzwerk und einer Offenheit, die man sich in Auslandssemestern erwirbt.

9 Millionen Europäerinnen und Europäer haben in den letzten 30 Jahren von Erasmus (und seinen Vorgängerprogrammen) profitiert. Wenn wir in der nächsten Förderperiode allein das Fördervolumen von 2020 erhalten wollen, werden wir für Erasmus deutlich mehr Geld brauchen; eine Verdoppelung der Auslandsaufenthalte (Studien, Praktika, Austausch), wie sie zuletzt von der Kommission ins Spiel gebracht wurde, braucht noch viel mehr Geld. Die kommenden Budgetverhandlungen werden zeigen, wie wichtig den Staats- und Regierungschefs der Europäische Bildungsraum am Ende wirklich ist. Ohne deutliche Steigerungen der Mittel, werden die neuen Initiativen auf halben Weg stecken bleiben und Europa im internationalen Wettbewerb um die besten Köpfe zurückfallen.

Schreibe einen Kommentar