Laptops machen keine digitale Schule

Digitalisierung und Bildung – spätestens seit Corona auch in Österreich wieder ein Thema. Die Corona-Krise hat unser Bildungssystem einem Digitalisierungs-Stresstest ausgesetzt, der die schon lange bekannten Defizite deutlich klar machte: mangelnde digitale Kompetenz der Lehrkräfte, unzureichende Breitbandausstattung der Schulen, viel zu wenig digitale Lehr- und Lernmaterialien. Ja, und in manchen Fällen auch zu wenig Endgeräte und kein Internet zuhause. 200 Millionen Euro hat die Bundesregierung nun für ein neues (das wievielte eigentlich?) Digitalisierungspaket für die Schulen bereitgestellt und setzt dabei auf – Endgeräte für alle Schülerinnen und Schüler! Themenverfehlung würde man das in der Schule wohl nennen, eine ziemlich teure noch dazu.

2018 gab ich als Stiftungsvorstand der Innovationsstiftung für Bildung eine Studie über den Stand der Digitalisierung an Österreichs Schulen in Auftrag. Dies zeigte ein deutlich anderes Bild als es die Regierung zum wiederholten Male zeichnet: Die technische Ausstattung an den Schulen, inklusive der eigene Geräte wurde von rund 70 % der Lehrenden und Lernenden als gut bis ausreichend angesehen. Die wirklichen Herausforderungen liegen in zwei Bereichen: zu wenig digitale Lehr- und Lernmaterialien (nein, nur weil man ein Buch als .pdf-file bekommt, ist das noch kein Lernprogramm) und ein dramatischer Mangel an digitaler Kompetenz der Lehrenden. Das für mich erschreckende war, dass über 70% der Lehrerinnen und Lehrer angaben, in ihrer Ausbildung auf die Verwendung digitaler Lehr- und Lernmedien vorbereitet worden zu sein, sogar von den Unter-30-jährigen Lehrenden fühlten sich nur die Hälfte gut oder eher gut darauf vorbereitet. Es fehlt an Aus- und Weiterbildungsangeboten in diesem Bereich – hier helfen Laptops für alle Schülerinnen und Schüler genau gar nichts!

Selbstverständlich muss man Schülerinnen und Schülern aus sozial schwächeren Familien helfen. Aber die Mehrheit der heute 10-jährigen haben längst entsprechende Endgeräte! Darüber hinaus ist vielleicht auch die Frage erlaubt, welche Vorstellungen das hochlöbliche Bildungsministerium von der Lebensdauer solcher Geräte hat: Wenn nun alle Schülerinnen und Schüler der 5. Schulstufe mit Laptops ausgestattet werden – sollen die dann 8 (bzw. 9) Jahre, bis zur Matura, halten? Wer hat zuletzt auf einem 8 Jahre alten Laptop gearbeitet? Eine Einladung ins digitale Zeitalter schaut jedenfalls anders aus.

Die Umstellung der Administration auf digitale Tools (Klassenbuch, Kommunikation mit den Eltern) ist zweifellos hilfreich, aber kann wohl auch nicht als Hebung der digitalen Kompetenzen der nächsten Generation verbucht werden. Besonderes Augenmerk verdient aber die geplante Weiterbildung der Lehrenden (wie gesagt, das wichtigste Thema in diesem Zusammenhang), diese soll nämlich durch digitale Bildungsangebote sichergestellt werden: Digital inkompetente Lehrende erwerben mittels digitaler Lernprogrammen digitale Kompetenzen – mangelnden Humor kann man dieser Regierung wirklich nicht absprechen.

Nochmals: Wenn wir unseren Kindern digitale Kompetenzen vermitteln wollen und sie damit auf das Leben und Arbeiten in einer zunehmend digitalen Welt vorbereiten wollen, muss Digitalisierung, die Nutzung digitaler Lehr- und Lerntools und eine entsprechende neue Didaktik einen zentralen Platz in der künftigen Lehrerausbildung einnehmen. Und die bereits aktiven Lehrerinnen und Lehrer müssen – wie an manchen Hochschulen – zu entsprechenden Weiterbildungen verpflichtet werden; vor allem jene 18%, die in der oben genannten Studie angaben, dass es keiner digitale Schwerpunktsetzung in der Aus- udn Weiterbildung bedürfe. Dann brauchen wir gute und vielfältigen digitale Lehr- und Lernprogramme (die eigentliche Schulbuchaktion 2.0!) und den flächendeckenden Breitbandausbau an unseren Schulen. Und dann kann man – an sozialen Kriterien und echten Notwendigkeiten (Stichwort Subsidiarität!) orientiert – auch Endgeräte zur Verfügung stellen.

Der gestern vorgelegte 8-Punkte-Plan bleibt leider einmal mehr eine politische Werbeeinschaltung statt eines umfassenden und systemischen Ansatzes für eine neue, digitale Schule der Zukunft.

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